Gut heißt nicht spektakulär
Wenn ich mit Selbstständigen über ihre Webseite spreche, geht es oft zuerst ums Aussehen: Farben, Schriften, Animationen. Das ist verständlich, denn die Webseite ist ein Aushängeschild.
Für Ihre Besucher zählt aber etwas anderes. Sie wollen in kurzer Zeit herausfinden, ob sie bei Ihnen richtig sind, und wenn ja, wie sie Sie erreichen. Eine gute Webseite erleichtert genau das.
Im Folgenden zeige ich die Punkte, auf die ich bei jeder Webseite achte. Technisches Vorwissen brauchen Sie dafür nicht.
1. Auf den ersten Blick klar: Wer, was, für wen?
Wer Ihre Seite öffnet, sollte ohne Scrollen verstehen:
- wer Sie sind,
- was Sie anbieten,
- für wen Ihr Angebot gedacht ist.
„Willkommen auf unserer Webseite“ beantwortet keine dieser Fragen. „Schreinerei in Sankt Vith – Möbel nach Maß und Innenausbau“ beantwortet alle drei.
Klingt banal, wird aber erstaunlich oft vergessen. Gerade wer sein eigenes Geschäft gut kennt, setzt schnell Wissen voraus, das ein Besucher nicht hat.
2. Sie funktioniert auf dem Handy
Viele Menschen suchen heute zuerst auf dem Smartphone nach einem Betrieb, unterwegs, auf dem Sofa oder in der Mittagspause. Eine Webseite, die nur am großen Bildschirm gut aussieht, verschenkt diese Besucher.
Auf dem Handy heißt gut konkret: Texte sind ohne Heranzoomen lesbar, Knöpfe lassen sich mit dem Daumen treffen, und nichts ragt über den Bildschirmrand hinaus. Fachleute nennen das „responsives Design“. Gemeint ist schlicht, dass sich die Seite an jede Bildschirmgröße anpasst.
Mein Tipp: Öffnen Sie Ihre eigene Seite auf dem Handy und versuchen Sie, ohne Hilfe Ihre Telefonnummer zu finden. Wenn das umständlich ist, geht es Ihren Kunden genauso.
3. Sie lädt schnell
Niemand wartet gerne. Lädt eine Seite spürbar lange, springen Besucher ab, bevor sie überhaupt etwas gesehen haben.
Die häufigsten Bremsen sind zu große Bilder, unnötige Effekte und zu viele eingebundene Zusatzprogramme. Oft lässt sich hier mit wenig Aufwand viel verbessern, etwa indem Fotos vor dem Hochladen verkleinert werden.
4. Kontakt mit einem Klick
Eine Webseite hat meistens ein Ziel: dass jemand Kontakt aufnimmt, einen Termin bucht oder vorbeikommt. Dieser Schritt sollte so einfach wie möglich sein.
Das bedeutet zum Beispiel:
- Telefonnummer und E-Mail-Adresse sind gut sichtbar und auf dem Handy direkt anklickbar.
- Ein Kontaktformular fragt nur ab, was Sie wirklich brauchen.
- Adresse und Öffnungszeiten sind leicht zu finden, wenn Kunden zu Ihnen kommen.
Jedes zusätzliche Pflichtfeld und jede versteckte Nummer kostet Anfragen.
5. Sie wirkt vertrauenswürdig
Bevor jemand Sie anruft, will er sich sicher sein, an einen seriösen Betrieb zu geraten. Vertrauen entsteht durch Kleinigkeiten:
- Echte Fotos von Ihnen, Ihrem Team und Ihrer Arbeit statt beliebiger Stockbilder
- Ein vollständiges Impressum und eine Datenschutzerklärung
- Echte Stimmen zufriedener Kunden, wenn vorhanden
Beim letzten Punkt bin ich streng: Kundenstimmen müssen echt sein. Ein ausgedachtes Zitat wirkt vielleicht kurzfristig gut, beschädigt aber das Vertrauen, sobald es auffällt. Dann lieber gar keine Kundenstimmen als falsche.
6. Sie ist aktuell
Nichts wirkt so verlassen wie eine Webseite mit Öffnungszeiten von vor drei Jahren oder einer „Neuigkeit“ aus längst vergangener Zeit. Besucher fragen sich dann zu Recht, ob es den Betrieb überhaupt noch gibt.
Eine gute Webseite muss nicht ständig neue Inhalte haben. Sie muss aber stimmen. Deshalb sollte von Anfang an klar sein, wer Preise, Zeiten und Angebote aktuell hält und ob das ohne Entwickler möglich ist.
7. Sie ist leicht zu lesen
Lesbarkeit betrifft alle, nicht nur ältere Menschen oder Personen mit Sehschwäche. Dazu gehören:
- ausreichend große Schrift,
- genug Kontrast, also zum Beispiel keine hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund,
- kurze Absätze und klare Zwischenüberschriften,
- Bilder mit Beschreibung, damit auch Vorleseprogramme sie erfassen können.
Was für Menschen gut lesbar ist, versteht übrigens auch Google besser.
8. Sie wird gefunden
Die schönste Webseite nützt wenig, wenn sie niemand findet. Dafür braucht es keine Tricks, sondern vor allem klare Inhalte: Sagen Sie deutlich, was Sie anbieten und wo. Wer „Friseur Burg-Reuland“ sucht, sollte auf Ihrer Seite genau diese Begriffe wiederfinden.
Diesen Bereich nennt man Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO. Er ist ein eigenes Thema. Die Grundlage ist aber immer dieselbe: verständliche Texte für Menschen.
Was weniger wichtig ist, als viele denken
Animationen, Bilderkarussells und aufwendige Effekte können schön sein. Ich baue selbst gerne solche Dinge. Für die meisten Betriebe sind sie aber zweitrangig und kosten im schlimmsten Fall Ladezeit, Übersicht und je nachdem Geld.
Eine schlichte Seite, die alle Punkte oben erfüllt, bringt in der Regel mehr als eine spektakuläre Seite, auf der niemand die Telefonnummer findet.
Schnelltest für Ihre eigene Webseite
Nehmen Sie sich fünf Minuten und beantworten Sie diese Fragen ehrlich:
- Versteht ein Fremder in wenigen Sekunden, was Sie anbieten?
- Lässt sich die Seite auf dem Handy bequem bedienen?
- Erscheint der Inhalt zügig, ohne dass Sie warten müssen?
- Finden Sie Ihre Kontaktdaten mit einem Klick?
- Sind Preise, Zeiten und Angebote aktuell?
Jedes „Nein“ ist ein Hinweis, wo sich Ihre Seite verbessern lässt. Oft ist das weniger Aufwand als gedacht.
Fazit
Eine gute Webseite ist kein Kunstwerk, sondern ein Werkzeug. Sie erklärt klar, was Sie tun, funktioniert auf jedem Gerät, ist schnell, schafft Vertrauen und macht den Kontakt leicht.
Wenn Sie beim Schnelltest unsicher waren oder eine neue Seite planen, schaue ich mir Ihre Situation gerne an und sage Ihnen ehrlich, wo ich Potenzial sehe.
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