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Warum ich meine eigene Webseite mit Odoo gebaut habe und nicht selbst hoste

Vom selbst programmierten Plan zur fertigen Plattform: meine Gründe, die Haken und für wen sich welches Modell lohnt.

Als Webentwickler liegt eine Frage nahe: Warum sollte ich für meine eigene Webseite ein fertiges System nutzen, wenn ich sie auch komplett selbst bauen kann? Genau das war ursprünglich mein Plan. Heute läuft florianreinertz.dev aber auf Odoo, gehostet direkt bei Odoo und nicht auf einem eigenen Server.

In diesem Beitrag erkläre ich, wie es zu dieser Entscheidung kam und was mich am Selbst-Hosting gestört hat. Ich zeige auch, welche Nachteile ich mit Odoo bewusst in Kauf nehme. Am Ende finden Sie eine kurze Einordnung, welches Modell für welche Art von Webseite sinnvoll ist.

Der ursprüngliche Plan: alles selbst gebaut

Geplant war eine klassische, selbst entwickelte Webseite. Sie sollte aus HTML, CSS und JavaScript bestehen und auf einem gemieteten Webhosting mit Plesk laufen. Plesk ist eine Verwaltungsoberfläche für Webserver. Ein Anforderungsdokument und ein Designkonzept gab es bereits.

Der Reiz daran ist offensichtlich. Ich hätte die volle Kontrolle über jedes Detail, keine Abhängigkeit von einem Anbieter und keine Funktionen, die ich nicht brauche. Für eine reine Präsentationsseite funktioniert das auch gut. Probleme entstehen erst, wenn die Seite mehr können soll, als Inhalte anzuzeigen.

Wo es im Alltag hakt

Das Kontaktformular braucht ein Backend

Eine statische Seite kann Inhalte anzeigen, aber keine Formulare verarbeiten. Damit eine Anfrage tatsächlich als E-Mail ankommt, braucht es Code auf dem Server, ein sogenanntes Backend. Auf klassischem Webhosting ist dafür PHP der Standard.

PHP ist nicht meine Sprache, und ich wollte die Seite nicht davon abhängig machen. Meine bevorzugte Lösung wäre Node.js gewesen. Also habe ich beim Hosting-Anbieter nachgefragt. Das Ergebnis: Node.js wird dort nicht angeboten, weder für das Formular noch für die Plattform selbst.

Übrig blieben Umwege, nämlich eine einzelne PHP-Datei nur für das Formular oder ein externer Formulardienst. Beides funktioniert, aber beides ist eine weitere Baustelle.

Zwei Sprachen wollen organisiert sein

Meine Seite ist zweisprachig, auf Deutsch und Englisch. Selbst gebaut bedeutet das einiges an Arbeit:

  • doppelte Seiten oder ein eigenes Übersetzungssystem
  • ein Sprachumschalter
  • die korrekte Verknüpfung der Sprachversionen für Suchmaschinen

Das ist machbar, aber der Aufwand wächst mit jeder neuen Seite.

Jedes Extra ist ein eigenes Projekt

Ein Blog, Besucherstatistiken und ein sauber funktionierender Cookie-Banner gehören heute zu einer Webseite dazu. Auf einer selbst gebauten Seite muss jede dieser Funktionen eigens entwickelt oder eingebunden werden. Einzeln ist das überschaubar. Zusammen wird aus einer Portfolio-Seite schnell ein Softwareprojekt, das ich dauerhaft pflegen muss.

Die Wartung bleibt an mir hängen

Wer selbst hostet, ist auch selbst verantwortlich für Updates, Sicherheitslücken, Backups und Zertifikate. Das ist kein Hexenwerk, kostet aber regelmäßig Zeit. Diese Zeit stecke ich lieber in Inhalte und Kundenprojekte.

Warum ich mich für Odoo entschieden habe

Odoo ist eigentlich eine Unternehmenssoftware mit vielen Modulen, von der Buchhaltung bis zum Lager. Eines davon ist ein Website-Modul. Für meinen Fall waren vor allem drei Punkte entscheidend.

Alles in einem System

Formulare, Blog, Mehrsprachigkeit und Cookie-Banner sind direkt enthalten. Das Kontaktformular funktioniert ohne eigenes Backend. Damit waren die Probleme aus dem vorigen Abschnitt auf einen Schlag gelöst, ohne dass ich eine einzige Serverzeile schreiben musste.

Hosting inklusive, zu einem festen Preis

Die Seite läuft direkt bei Odoo. Um Server, Updates und Sicherheit muss ich mich nicht mehr selbst kümmern. Dafür wird ein fester Monatsbetrag fällig, der für den Umfang preiswert ist.

E-Mail und Domain laufen bewusst weiterhin separat bei einem eigenen Anbieter. So bleibe ich an dieser Stelle unabhängig.

Kein reiner Baukasten

Für mich als Entwickler war ein Punkt besonders wichtig: Odoo lässt eigenen Code zu. Wo der visuelle Editor an seine Grenzen stößt, setze ich eigenes HTML, CSS (genauer SCSS) und JavaScript ein. So entsteht kein Standard-Look, sondern ein individuelles Design. Im Hintergrund habe ich trotzdem die Bequemlichkeit eines fertigen Systems.

Was ich dabei in Kauf nehme

Odoo ist keine perfekte Lösung. Es gibt Punkte, die mich stören, und die gehören zu einer ehrlichen Bewertung dazu.

Der Umfang

Odoo ist sehr umfangreich, mit vielen Einstellungen, vielen Modulen und oft mehreren Wegen zum selben Ziel. Für eine Webseite braucht man nur einen kleinen Teil davon. Trotzdem muss man sich im Gesamtsystem zurechtfinden.

Die Einarbeitung kostet Zeit

Wer Odoo zum ersten Mal nutzt, braucht Geduld. Man muss erst herausfinden, wo welche Einstellung sitzt und wie Seiten, Menüs und Übersetzungen zusammenhängen. Auch das saubere Einbinden von eigenem Code erschließt sich nicht in einer Stunde.

Manches ist möglich, aber umständlich

Ein Beispiel ist das Double-Opt-in für Newsletter. Dabei bestätigen neue Abonnenten ihre Anmeldung über einen Link in einer E-Mail. In der EU hat sich dieses Verfahren als Standard für saubere Newsletter-Anmeldungen etabliert.

In Odoo lässt sich das umsetzen, aber nicht mit einem einfachen Häkchen, sondern nur über einige Umwege. Solche Stellen gibt es öfter: Die Funktion ist vorhanden, der Weg dorthin ist aber nicht immer intuitiv.

Abhängigkeit vom Anbieter

Wer bei Odoo hostet, ist an Odoo gebunden, also an dessen Preismodell und weitere Entwicklung. Ein Umzug zu einem anderen System ist möglich, bedeutet aber Aufwand. Dieses Risiko nehme ich bewusst in Kauf.

Selbst hosten, Baukasten oder Odoo: Was passt für wen?

Die richtige Lösung hängt davon ab, was eine Webseite leisten soll. Hier eine grobe Orientierung:

  • Reine Visitenkarte im Netz: Eine Seite mit Angebot, Kontaktdaten und vielleicht Öffnungszeiten braucht kein großes System. Ein einfacher Baukasten oder eine schlanke, selbst gebaute Seite reicht völlig. Odoo wäre hier eher zu viel.
  • Seite mit Formularen, Blog und mehreren Sprachen: Das ist der typische Bedarf von Selbstständigen und kleinen Betrieben. Gerade in einer mehrsprachigen Region wie Ostbelgien spielt Odoo hier seine Stärken aus. Das gilt besonders, wenn der Betrieb Odoo bereits für andere Aufgaben nutzt oder nutzen möchte.
  • Spezielle Anforderungen oder volle Kontrolle: Eigene Anwendungen, besondere Schnittstellen oder ungewöhnliche Technik sprechen für eine individuelle Entwicklung mit eigenem Hosting. Dazu gehört dann aber auch der dauerhafte Wartungsaufwand. Für mich selbst ist die Abwägung klar: Die Umwege, die Odoo an manchen Stellen verlangt, nehme ich aktuell lieber in Kauf. Die Wartung einer selbst gehosteten Seite wäre auf Dauer deutlich mehr Aufwand.

Fazit

Den Ausschlag hat nicht gegeben, dass Odoo technisch alles besser kann. Entscheidend war für mich, dass ich mich weniger um Technik kümmern muss, die mit meinem eigentlichen Ziel nichts zu tun hat.

Statt Formular-Backends, Server und Übersetzungslogik zu pflegen, konzentriere ich mich auf Inhalte, Design und Kundenprojekte. Die Einarbeitung hat Zeit gekostet. Diese Zeit musste ich aber nur einmal investieren, die Wartung eines eigenen Servers dagegen nie wieder.

Sie überlegen, welche Lösung für Ihre Webseite die richtige ist? Ich berate Sie ehrlich, auch wenn die Antwort am Ende nicht Odoo heißt.

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